Hören und Sehen lernen
02.05.2010
Jeder denkt bei diesem Satz: Das kann doch jeder von selbst, das braucht man doch nicht zu lernen. Und weshalb sagte dann Jesus: Wer Augen hat zu sehen, der sehe und wer Ohren hat zu hören, der höre?
Dieses Sehen und Hören, das jeder in sich hat, tritt dann allmählich in den Hintergrund, je erwachsener der Mensch wird. Von klein auf werden wir gelehrt, zu dem Sehen und Hören etwas hinzuzufügen, nämlich ein Urteil, eine Vermutung, eine Erwartung o. v. a. m.
Ein Kind greift noch alles an und freut sich. Dann kommt ein Erwachsener dazu und sagt: Das, was du hier siehst oder hörst oder angreifst, ist gut oder schlecht. Z. B.: Erde angreifen ist nicht gut oder schlecht, wir werden gelehrt, es dazu zu machen.
Wir glauben dann: Nur sehen u. o. Hören reicht nicht, man muss das Gesehene oder Gehörte beurteilen. Dies hat sofortige Konsequenzen: Wenn ich etwas beurteile, bin ich sofort weg vom Sehen und Hören, weg von den Tatsachen, wie sie sind, und ich lande dort, wo alles so ist, wie ich es gerne hätte oder nicht hätte, nämlich in Utopia.
In diesem Lande Utopia sind nicht Tatsachen wichtig, sondern Beurteilungen und Meinungen. Denn Tatsachen sind die Feinde von Vorstellungen.
Bleibe ich hingegen bei den Tatsachen, indem ich sie einfach sehe und höre, wie sie sind, so sagen mir die Tatsachen immer, was zu tun ist oder nicht zu tun ist. Es entsteht nie Problematik, oder eine schon entstandene löst sich auf, ohne dass ich etwas tun muss.
Schaue oder höre ich dagegen auf Tatsachen mit vorgefaßten Meinungen oder Bildern, so kann ich nur Problematik sehen oder hören und niemals Lösungen.
Kehre also voll Freude zum Sehen und Hören zurück, das schon immer in dir ist, und du wirst voller Staunen vieles entdecken, was dir sonst immer verborgen bleibt.
